Das Berliner Denkmal für die polnischen Opfer des 2. Weltkrieges aus der Sicht von Warschau – Dr. Paweł Ukielski

Dr. Paweł Ukielski

 

Im Herbst 2017 unterzeichnete auf Initiative des deutschen Architekten und Urbanisten Florian Mausbach ein gutes Dutzend in der deutschen öffentlichen Debatte präsenter Personen einen Appell, in Berlin ein Denkmal für die polnischen Opfer der deutschen Verbrechen in der Zeit des 2. Weltkrieges zu errichten. Damit löste er eine breite Diskussion in Deutschland aus, die in Polen mit nicht geringem Interesse beobachtet wird, aber auch mit Abwarten, welche Effekte sie erbringt.

Die Vergangenheit spielt in den heutigen polnisch-deutschen Beziehungen eine nicht unbedeutende Rolle. Darüber braucht man sich nicht zu wundern, wenn man berücksichtigt, wie intensiv und tragisch sich die gemeinsamen Schicksale unserer beiden Nationen gestalteten. Zweifellos weckt immer noch die Frage des 2. Weltkrieges die meisten Emotionen, in dem infolge der deutschen Aggression und späteren Völkermordpolitik etwa 6 Millionen polnische Staatsbürger ihr Leben verloren. Auch wenn wir heute Verbündete in der NATO und enge Partner (besonders wirtschaftlich) in der Europäischen Union sind und der Versöhnungsprozess fortgeschritten ist, haben viele Polen immer noch das Gefühl, dass die historischen Angelegenheiten nicht völlig abgeschlossen sind.

Historische Themen sollten nicht allzu leicht mit der aktuellen Politik verbunden werden, wie dies manche tun wollen. Eine Interpretation, der zufolge die Vertreter von „Recht und Gerechtigkeit” diese Thematik gegenwärtig vor allem aus innenpolitischen Gründen anrühren, mag war attraktiv erscheinen, ist aber auch übermäßig vereinfachend, denn sie erlaubt nicht, auf die wirklichen und tiefgreifenden Ursachen der Tatsache zurückzugreifen, dass die polnisch-deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts in der polnischen Gesellschaft immer noch sehr lebendig ist. Zum Beweis für diese These genügt es, an die mit der Person von Erika Steinbach, dem Vertriebenenverband und der von ihm geplanten Ausstellung verbundenen vorigen Kontroversen zu historischen Fragen zu erinnern. Dies geschah in einer Zeit, als sich die politischen Beziehungen zwischen Warschau und Berlin hervorragend gestalteten, Polen gerade erst der Europäischen Union beigetreten war und an der Weichsel eben nicht die Rechten an der Regierung waren.

Angesichts dessen braucht man sich auch nicht über die Emotionen zu wundern, von denen die Diskussionen über Reparationen begleitet sind, oder umfassender: über Fragen der Wiedergutmachung für all das Leid und die Verluste, die die Polen und ihr Land während des 2. Weltkrieges erlitten haben. Die tiefe gesellschaftliche Überzeugung, dass unser Land von allen im Krieg geschädigten Staaten die geringsten Entschädigungen erhalten hat, findet in harten Zahlen ihre Bestätigung. Mehr noch, die in Deutschland erkennbare Erwartung, Polen würde die nach dem Krieg von Deutschland gewonnenen westlichen Territorien als ein Element der Wiedergutmachung für die erlittenen Zerstörungen und Verluste anerkennen, findet in Polen kein Echo. Die Polen verstehen diese Gebiete, übrigens gemäß der Absicht der Siegermächte, die in Potsdam damals neue Grenzen absteckten, als Entschädigung für die nach dem Krieg an die Sowjetunion verlorenen polnischen Ostgebiete.

Die Konzeption, ein an die polnischen Opfer des verbrecherischen Krieges erinnerndes Denkmal zu errichten, ist nicht neu. Ein sehr starker Befürworter dieses Monuments war Władysław Bartoszewski, damals Beauftragter des Premierministers Donald Tusk für den internationalen Dialog und früher Häftling in Auschwitz und Mitglied der „Żegota”, Teilnehmer am Warschauer Aufstand, Opfer kommunistischer Repressionen und im freien Polen u.a. Außenminister. Er setzte sich dafür ein, manchmal kein Blatt vor den Mund nehmend, und unterstrich die von der polnischen Gesellschaft gebrachten gewaltigen Opfer sowie die Tatsache, dass der Krieg mit dem Angriff Deutschlands auf Polen begann und dass sich der Hass der Deutschen anfangs hauptsächlich gegen die Polen richtete. Diesem Appell schloss sich ein paar Jahre später auch der Staatssekretär in der Kanzlei des Präsidenten der Republik Polen Krzysztof Szczerski an.

Florian Mausbachs Appell fiel in Deutschland auf fruchtbaren Boden und fand breiten gesellschaftlichen Widerhall. Es gab viele Stimmen, die diese Idee unterstützten, aber auch solche, die sie einer teilweisen Kritik unterwarfen und suggerierten, man solle sich nicht ausschließlich auf die polnischen Opfer deutsche Verbrechen konzentrieren, sondern stattdessen lieber an eine breitere, auch die Polen umfassende Gruppe erinnern. Zum Hauptargument in dieser Sache wurde die Feststellung, dies würden den Weg freimachen für weitgehende Forderungen von Seiten aller anderen von den Deutschen im 2. Weltkrieg geschädigten Nationen, die dann sofort eigene Denkmäler fordern würden. Ein weiteres Argument, das von den Gegnern der Errichtung eines den Polen gewidmeten Denkmals erhoben wurde, betrifft die Furcht vor einer „Nationalisierung” des Gedenkens und einer ungesunden Kategorisierung der Opfer nach Nationen, was nach den Erfahrungen des 2. Weltkrieges und der schrecklichen Verbrechen im Namen der national-sozialistischen Ideologie in Deutschland Befürchtungen weckt.

Für die Polen sind solche Argumentationen nicht nur schwer zu akzeptieren, sondern sogar schwer nachzuvollziehen. Schließlich starben die polnischen Opfer nicht aufgrund irgendwelcher abstrakter Ursachen, sondern eben gerade weil sie Polen waren. Für die polnische öffentliche Meinung wäre die Errichtung eines gemeinsamen Denkmals für alle slawischen Völker oder pauschal für die Opfer deutscher Verbrechen im Osten kaum akzeptabel. In beiden Fällen wäre das ein gemeinsames Gedenken für Polen und Russen, d.h. für ein von zwei verbrecherischen Totalitarismen überfallenes und von beiden brutalen Verbrechen und der Exterminierung ausgesetztes Volk – und für ein Land, das für diesen Überfall im September 1939 schließlich mitverantwortlich war. Eine so „erweiterte” Formel des Gedenkens könnte, statt einen weiteren Schritt in der Versöhnung zwischen unseren Völkern zu ermöglichen, eher nur noch mehr Schaden anrichten.

Aus diesem Grunde ist die ruhige Vorbereitung eines eventuellen Denkmals auf eine Weise unerlässlich, die alle Gefahren zu umgehen erlaubt. Denn selbst wenn eine definitive Entscheidung fällt, dass es den Opfern der Republik Polen gewidmet wird, bleibt trotzdem noch viel zu tun: von der Festlegung seiner letztendlichen Lokalisierung über seine Form und sein Aussehen sowie den Inhalt der Aufschrift, bis hin zur Existenz eines historischen Informationszentrums, das solide und zusammenfassend von den an der polnischen Bevölkerung begangenen Verbrechen Nazideutschlands erzählen würde. Für Konsultationen in dieser Sache sollte ein breites Spektrum von Institutionen und Personen aus Polen engagiert werden, um das Risiko gering zu halten, Fehler zu begehen, die sich wie ein Schatten auf diese außerordentlich wichtige und wertvolle Initiative legen würden.

Dr. Paweł Ukielski

Stv. Direktor des Museums des Warschauer Aufstandes

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